Ist auch bei uns die Gesellschaft bereits zerbrochen?

 

Tödliche Schüsse beendeten abrupt das Leben des 11-jährigen Rhys. Nach mehr als einer Woche, nachdem man keine Tatwaffe, nicht einmal die Patronenhülsen, kein Geständnis, vor allem keine Aussagen von Zeugen, obwohl insgesamt zehn Teenager, darunter zwei Mädchen, von der Polizei zeitweilig festgenommen und befragt worden.

So sieht es aus in Liverpool und die Schlagzeilen der Presse lauten “Anarchie im Vereinigten Königreich”.

Auch bei uns scheint sich das breit zu machen. In meiner jüngsten Beratungspraxis meldete sich eine allein erziehende Mutter mit drei Kindern, die eine Wohnung in einem so genannten schwierigen sozialen Umfeld hat , weil ihre Kinder von Migranten bedroht worden sind. Sie selbst wurde mittlerweile ebenso bedroht, wenn sie mit den Kindern nochmals auf dem Spielplatz auftauche, werde sie geschlachtet, so der Vater eines Migranten-Kindes wörtlich zu der Mutter. Wegziehen kann sie nicht, weil sie sich anderen Wohnraum nicht leisten kann.

Ist das schon alltäglich in Orten in Deutschland, Orten mittlerer Größe mit 100.000 Einwohnern und breitet sich das etwa zunehmend auf kleinere Städte aus?

Politiker und Soziologen kennen die Ursachen, sind allerdings, was die Abhilfe angeht, einigermaßen ratlos.

I n England hat diese Entwicklung ihren Lauf nach Auffassung der Soziologen deshalb genommen, weil die wohlmeinende, letztlich verhängnisvolle Sozialpolitik zu perversen Anreizen des Wohlfahrtsstaates geführt hat, nämlich unbegrenzte Zahl an Arbeitslosen, die die Arbeitsmoral zerstört haben, großzügige Subventionen allein stehender Mütter hätten so die Auffassung von Soziologen zu gesellschaftlicher Fragmentierung und Auflösung der Familie geführt.

Auch hier in Deutschland werden erste Ansätze dieser Politik deutlich und es ist nach Auffassung der Soziologen und Immobilienexperten in der Tat eine Frage des Wohnens und des Umganges, wie auch die Zukunft der Kinder aussieht.

Das Umfeld wird nach Auffassung von Immobilienexperten (so ein Bericht der ZEIT) immer wichtiger, vor allem für Leute, die Kinder haben.

Immobilienexperten stellen in dem Zusammenhang die Frage, wer die Bank vor der Sandkiste schon mit arbeitslosen Männern und deren Bierflaschen teilen will? Wer es sich leisten kann, zieht weg.

Der Berliner Stadtsoziologe Walter nennt das “Abstimmung mit den Füßen”.

Plötzlich entstünden überall Stadtviertel in denen kaum noch jemand wohne, der Abitur habe. Viertel, in denen jeder Zweite “arbeitslos” sagt, wenn ihn jemand nach dem Beruf fragt. Viertel in denen zwangsläufig dann kaum noch ein Weg nach oben führt, schlicht Viertel für die Unterschicht.

Geht die gesellschaftliche Entwicklung auch bei uns denn wirklich dahin, dass bezahlbarer Wohnraum für Familien mit Kindern in so genannten guten und besseren Wohngegenden nicht mehr gefunden werden kann?

Wenn die Entwicklung  auch bei uns so weitergeht, wird es hier bald ebenso nur noch “arm” und “reich” geben mit der Folge der nicht vertretbaren Ghetto-Bildung.

Dies darf einfach nicht passieren, weil den Kindern, die in den sozialschwächeren Umfeldern aufwachsen damit wesentliche Chancen genommen werden.

Auch hierfür haben wir als Mieterbund und ihre Interessenvertreter ein zu stehen und dafür Sorge zu tragen, dass die politische Entwicklung keinen falschen Weg einschlägt.

Das, was wir dazu an Beiträgen leisten können, werden wir tun.

In diesem Sinne verbleibe ich mit den besten Wünschen

Ihr

Franz Obst
Rechtsanwalt